Hugo Hoppmann

Foto: Lloyd Stevie

Bitte stell Dich kurz vor.

Hi! Ich bin Hugo Hoppmann, 29 Jahre alt, Grafik Designer und Art Director aus Köln. Nach dem Studium an der ECAL habe ich bei Meiré und Meiré gearbeitet und mich danach selbstständig gemacht. Nach zwei wunderbaren Jahren in New York bin ich seit kurzem in Berlin und arbeite von hier aus für Kunden in aller Welt — und versuche bei dem ganzen Trubel noch genug Freiheit zu haben um meine eigenen Projekte voranzutreiben.

Wie hast Du Schriftgestaltung (Typographie) für Dich entdeckt?

Ich habe mit ca. 15 Jahren angefangen mich intensiver mit Architektur, Grafik Design und Schriftgestaltung zu beschäftigen.
Ich war damals sehr viel in der Buchhandlung König in Köln und habe alles verschlungen was mit irgendwie mit Typografie zu tun hatte.
Mein Großvater lebte damals noch in Bern und war mit Adrian Frutiger in einer Kirchengemeinschaft. Er wusste natürlich von meiner Schriftbegeisterung und arrangierte eines Tages ein Treffen mit meinem großen Typo-Helden! Das war ein super Erlebnis, was mir dann noch klarer machte, dass ich zum Grafik-Studieren in die Schweiz will.

Welche war Deine erste Lieblingsschrift?

Die (Rockwell-mäßige) Schrift vom Chicago Bulls Logo!
Die habe ich als Kind stundenlang versucht so gut wie möglich nachzuzeichnen …

Was macht eine Schrift für Dich sexy?

Ganz einfach: wenn sie Freshness ausstrahlt!
Das ist oft schwer rational zu definieren, eher ein Bauchgefühl. Aber das trügt selten!

Wie sah Deine erste eigene Schrift aus? Schick gerne Bilder, falls Du welche hast!

Zwei meiner allerersten Schriften (ich war damals in der 10ten Klasse, glaube ich) namens "Das Herrliche Script" und "KAVIVA" habe ich eben in den Untiefen meines Archiv's gefunden:

 

Wie gestaltest Du heute Schriften? Woran orientierst Du Dich, was ist Dir wichtig?

Ich skizziere schon noch viel von Hand, aber danach geht's direkt weiter in der Glyphs App.
Kitschige Antwort, aber ich finde das allerwichtigste ist es Spaß an der  Sache zu haben!
(Und Mut zur Weirdness und der eigenen Invidualität!)

Sollte man Schriftgestalter und Graphikdesigner gleichzeitig sein oder sich auf eins konzentrieren? Hast Du einen guten Ratschlag für angehende Schriftgestalter?

Generalist vs. Spezialist? Mir persönlich fällt es schwer mich eine Disziplin zu limitieren. Uns stehen heutzutage so viele großartige Tools zu Verfügung, alles ist möglich! Und deshalb will ich auch alles mal ausprobieren! Trotzdem möchte ich später nicht zurückzublicken und vieles nur angekratzt haben, ohne wirklich in die Tiefe gegangen zu sein. Das ist also eine feine Balance. Da muss man schon aufpassen.
Mein Ratschlag, für Grafik, Typo bzw. alles im Leben: Nicht verstecken, menschlich sein, Fehler in Kauf nehmen, machen!
Alle haben so viele gute Ideen, aber es wird zu wenig auch wirklich umgesetzt.
Ich sollten einfach nicht Gefahr laufen später zu bereuen etwas nicht gemacht zu haben. Dann lieber mal auf die Schauze fallen. Viel besser, als es gar nicht versucht zu haben!

Zu welchem Song würdest Du gerne mal eine Schrift gestalten? Warum und wie sähe die aus?

Zum Song "In die Ferne" von "1. Futurologischer Congress", eine großartige Neue Deutsche Welle Band aus den 80ern. Eine Soulful Tropical Sci-Fi Grotesk? 🙂

In welche Dimensionen könnte Schriftgestaltung expandieren? Wie könnte die Schriftgestaltung der Zukunft aussehen?

Die Tools werden natürlich in den nächsten Jahren immer krasser demokratisiert werden. Es werden noch mehr Menschen Zugang zu Computer und Internet haben und damit die Möglichkeit Schriften zu gestalten und zu veröffentlichen. Und das ist großartig!
Das bedeutet aber auch, dass es schwieriger wird sich loszulösen aus der Masse und sein eigenes Ding zu schaffen und seine eigene Stimme zu finden. Self-Awareness und das Herauskristallisieren der eigenen Individualität zu schaffen wird in Zukunft immer wichtiger werden.

Wie würdest Du die Vernetzung unter Gestaltern aktuell beschreiben und wie könnte sie sich entwickeln bzw verbessern?

Ich finde in Berlin ist der Austausch gerade sehr gut, wir sind eine große Familie. Dennoch glaube ich, dass da noch mehr geht!
Wir könnten noch tiefer gehen. Abseits von Formen und Schriften. Neben tiefgründigen Themen interessieren mich aber gerade auch die vermeintlich banalen Dinge, wie typische Alltagsritutale. Wie arbeiten andere eigentlich wirklich? Wie geht die anderen mit der E-Mail und Input Flut um? Was motiviert uns? Warum machen wir das eigentlich alles?
Ich arbeite ich gerade an einem Magazin Projekt namens PRESENT, dass sich genau darum soll. (Mehr Infos: www.present.xxx)
Stay tuned!

www.hugohoppmann.com

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