Clovis Vallois

Bitte stell Dich kurz vor. Schick gerne ein Photo von Dir mit.

Studium der visuellen Kommunikation, Freiburg im Breisgau. CAS (Certificate of Advanced Studies) in Type Design an der Zürcher Hochschule der Künste, ZHdK. Gemeinsam mit Anton Studer, Gründung des Schriftenverlags Nouvelle Noire, www.nouvellenoire.ch. Designer im Architekturbüro Ateliers Jean Nouvel, in Paris; Design und Entwicklung der Signaletik für den Louvre Abu Dhabi, Vereinte Arabische Emirate. Entwicklung der Apeloig Type Library mit Anton Studer. Heute: Mitarbeit bei Nouvelle Noire www.nouvellenoire.ch und Wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Prof. Barmettler, Zürcher Hochschule der Künste, ZHdK.

Wie sieht Deine Lehre aus? Was willst Du Deinen Studenten im Kern vermitteln?

Schriftgestaltung ist im Studium in erster Linie eine Form der Lehre des Auges. Studenten lernen das Sehen. Sie assimilieren das Gesehene und reflektieren darüber. Schriftgestaltung ist in einem nächsten Schritt eine Lehre des Konstrukts der Schrift. Dieses Konstrukt muss anhand der formalen Merkmale entschlüsselt und im historischen Kontext verortet werden können. Das sind Grundvoraussetzungen und gleichzeitig wichtige Werkzeuge die eine solide Grundlage zur Gestaltung bilden. Anschliessend lernen die Studierenden die methodische Herangehensweise an die Gestaltung von Schriften. Hier geht es darum, formale Zusammenhänge zwischen der Buchstaben zu erkennen und die daraus resultierende Beobachtungen in eine Arbeitsmethodik umzuwandeln. Zuletzt geht es an die Ausarbeitung der Schrift. Diese Entwicklungsphase wird in der Regel erst nach ein bis zwei Semestern erreicht.

Wie hast Du Schriftgestaltung (Typographie) für Dich entdeckt?

Schriftgestaltung habe ich erst nach meinem Studium der visuellen Kommunikation entdeckt. In meiner Abschlussarbeit „Process“ habe ich den Prozess eines Schriftentwurfs dokumentiert, diese Arbeit war in einem experimentellen Kontext angesiedelt und darf nicht als reiner Schriftentwurf verstanden werden. Nach meinen Studium habe ich ein „Certificate of Advanced Studies“ (CAS) in Schriftgestaltung an der Zürcher Hochschule der Künste absolviert, während dieser Zeit hatte ich zum ersten Mal die Gelegenheit mich intensiv mit der Gestaltung von Lauftextschriften zu befassen.

Welche war Deine erste Lieblingsschrift?

Lieblingsschriften gibt es keine. Schriften beurteile ich nach dem Anwendungsgebiet für die sie entworfen wurden, nach der Epoche und dem historischen Kontext in dem die Schriften entstanden. Selbstverständlich beurteile ich sie auch nach formalen Kriterien. Ich kann mich für experimentelle Ansätze sowie von Meisterhand gezeichnete Schriften begeistern. Buchstaben oder Alphabete die Perfektion in den Proportionen und im Strichverlauf ausstrahlen, finde ich bewundernswert. An dieser Stelle würde ich sicherlich die „Romain du Roi“ von Philippe Grandjean de Fouchy nennen wollen.

Was macht eine Schrift für Dich sexy?

Schwer zu sagen

Wie sah Deine erste eigene Schrift aus? Schick gerne Bilder, falls Du welche hast!

Es gibt mehrere Ansätze die fast gleichzeitig entstanden sind, jeder ist unterschiedlich und in sich als Amateurwerk zu betrachten.

Wie gestaltest Du heute Schriften? Woran orientierst Du Dich, was ist Dir wichtig?

Schriften werden aus dem inneren Antrieb heraus entwickelt, oder aus historischen Vorbildern an denen man sich orientieren kann. Auftragsarbeiten können ebenfalls den Ausgangspunkt zur Arbeit an einer neuen Schrift bilden. Bei allen genannten Arten der Arbeit sind die Anforderungen unterschiedlich und somit auch die Herangehensweise.

Sollte man Schriftgestalter und Graphikdesigner gleichzeitig sein oder sich auf eins konzentrieren? Hast Du einen guten Ratschlag für angehende Schriftgestalter?

Grafik Design oder die visuelle Kommunikation bildet eine Basis, Schriftgestaltung in diesem Bereich ist eine Spezialisierung. Es gelingt nur wenigen Gestaltern in beiden Disziplinen eine tiefreichende Expertise zu erlangen und beide Disziplinen auf einem gleich hohen Niveau zu betreiben. Der Weg den jeder betritt, zeigt unausweichlich in welche Richtung ein Gestalter sich entwickelt. Einfach machen!

Zu welchem Song würdest Du gerne mal eine Schrift gestalten? Warum und wie sähe die aus?

Einstein on the Beach von Philip Glass.

Wie könnte die Schriftgestaltung der Zukunft aussehen?

Schriftgestaltung der Zukunft wird schnelllebiger sein. Die Gestaltungstools verbessern sich und nehmen durch die Automatisierung viele Arbeitsschritte dem Gestalter ab. Schriftgestaltung demokratisiert sich. Vor zwanzig Jahren war Schriftgestaltung ein Nischengebiet und vielen Gestaltern vorenthalten. Durch die Verbesserung von Computern und der Software, kommt fast jeder Student mit digitaler Schriftgestaltung in Berührung. Schriften werden dadurch, dass sie schneller produziert werden, kürzere Lebenszyklen haben und entwickeln sich zunehmend zu einem modischen Gestaltungsaccesssoire. Dies soll keinesfalls eine Wertung sein, sondern ist eine Beobachtung. Wenige neugestaltete Schriften werden langjährige Lebenszyklen haben oder sogar Jahrzehnte oder Jahrhunderte lang bestehen bleiben, wie wir es bisher gewohnt sind.

Wie würdest Du die Vernetzung unter Gestaltern aktuell beschreiben und wie könnte sie sich entwickeln bzw verbessern?

Gestalter sind heute weltweit vernetzt. Geographische Distanzen verkürzen sich, sie spielen heute keine Rolle mehr. Projektkooperationen und Wissensaustausch sind heute von überall aus möglich. Aus dieser Beobachtung heraus stellt sich die Frage ob eine Verbesserung erforderlich ist? Wäre vielleicht eine Gegenbewegung eine Form der Verbesserung? Eine Gegenbewegung im Sinne von weniger Vernetzung zugunsten einer grösseren eigenen schöpferischen Leistung? Die Vernetzung birgt die Gefahr, dass Trends sich nicht mehr auf lokaler, nationaler oder kontinentaler Ebene entwickeln sondern auf einer globalen Ebene. Jeder Gestalter wird hierdurch beeinflusst und gestalterische Identitäten verblassen. Dies führt zu einer grösseren homogenität der visuellen grafischen Sprache. Die Entwicklung eigener Positionen und selbständiger gestalterischer Ausdrucksformen wird zunehmend schwieriger.

www.nouvellenoire.ch

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