Ariane Spanier

Foto: Ingeborg Øien Thorsland

Bitte stell Dich kurz vor. Schick gerne ein Photo von Dir mit.

Ich bin Grafikdesignerin, habe in Berlin Weissensee Visuelle Kommunikation studiert und habe seit 2005 mein Büro in Berlin. Ich bin keine Schriftdesignerin, designe aber ab und zu auch mal Schrift. Ansonsten mache ich alles andere, angefangen von Büchern, über Plakate, Erscheinungsbilder, Illustrationen zu Animationen.

Wie hast Du Schriftgestaltung (Typographie) für Dich entdeckt?

Ich hatte damit nicht viel am Hut während meines Studiums. Schriftgestaltung hiess für mich endlose Federschreibübungen auf die ich keine Lust hatte. Der Rest war mir zu „nerdy“ und ich wusste dass ich mich nicht mit Details irgendwelcher Kurvenkrümmungen befassen wollte bis ans Ende meines Lebens. Das war mir alles zu unsexy damals.
Nach dem Studium machte ich ein Praktikum beim Stefan Sagmeister und hatte da einen Fashionmailer zu gestalten mit einem seiner Tagebucheinträge aus dem später erschienenen Buch „10 Things i’ve learned in my life so far“ (Material Luxuries are best enjoyed in small doses).
http://arianespanier.com/anni-kuan-fashion-mailer/
Dieses physische Bauen von Schrift hatte ich bis dahin kaum gemacht, das galt auch nicht als cool an der Hochschule damals. Für diesen Mailer habe ich dann teure Mäntel vollgekleckert mit Gips, Asia-Nudeln, Buchstaben geknüllt aus den Kleidern der Kollektion oder die Sachen in Buchstabenform auf dem gegenüberliegenden Hausdach platziert. Das war ein Augenöffner für mich: „Schrift kann Spass machen!“.

Welche war Deine erste Lieblingsschrift?

ITC Conduit.

Was macht eine Schrift für Dich sexy?

Jede Schrift mit Charakter und komischen Eigenheiten, oder sehr elegante Schriften. Ich finde es gibt mehr sexy Schriften heutzutage. Schriftdesign ist allgemein sexier (ausdrucksstärker) geworden.

Wie sah Deine erste eigene Schrift aus? Schick gerne Bilder, falls Du welche hast!

haha, sie hiess Spanari“ ich weiss nicht mehr was ich mir dabei gedacht habe:

Wie gestaltest Du heute Schriften? Woran orientierst Du Dich, was ist Dir wichtig?

Ich mache ja vor allem sehr bildliche Schrift, Handletterings bzw. analog aufgebautes Zeugs. da gehts es immer um ein illustratives Element, Materialien, Gesamtkompositionen, vielleicht auch Bewegung.
Bei den wenigen Fonts die ich gemacht habe bisher gibt es immer einen Zusammenhang zu einem Projekt, wie zb. eine Headline Schrift für eine Ausgabe des Fukt magazines für Zeichnung: http://arianespanier.com/curla-for-fukt/ das war ein Pendant zur coverschrift wo teile der Buchstaben aus realen Ketten bestanden. http://arianespanier.com/fukt-14/
Oder die Handschrift für Christoph Niemanns Buch Sunday Sketching, (die ich natürlich nur digitalisiert hab: http://arianespanier.com/sunday-sketching-by-christoph-niemann/.
Ich sitze gerade an einer Schrift (Klein-)Familie, die eine Weiterentwicklung einer Schrift ist, die ich für ein Corporate Design eines Kunstvereins in Oslo gestaltet habe, „Eyvin“, diese Schrift hat historische Referenzen zur Geschichte des Vereins: http://arianespanier.com/tegnerforbundet/.
Eine eigene Handschrift „Arispa“ habe ich auch mal für ein Ausstellungsprojekt gemacht, siehe Anhang. Es gab viele handgezeichnete Illus, deswegen die Schrift.

Sollte man Schriftgestalter und Graphikdesigner gleichzeitig sein oder sich auf eins konzentrieren? Hast Du einen guten Ratschlag für angehende Schriftgestalter?

Schriftgestaltung beanspruchte bisher so viel Zeit, dass man kaum zu anderem kam. Aber da sich technologisch soviel geändert hat, dass sogar Leute wie ich sich an eine Schrift trauen, kann es sein, dass doch beides möglich ist. Als Schriftgestalter machst du ja Werkzeuge für andere Designer, was toll ist, aber auch unkontrollierbar. Ich finde es persönlich immer wichtig, viel auszuprobieren usw. Aber wenn das Herz brennt für Schriftgestaltung dann sollte man sich da voll reinwerfen. Aber als Designer auch etwas Ahnung von Schriftdesign zu haben schadet nicht. Man merkt ja, wenn es einem als angehender Schriftdesigner fast ausschliesslich Spass macht, die Schrift anzuwenden, sollte man die Richtung nochmal überdenken.

Zu welchem Song würdest Du gerne mal eine Schrift gestalten? Warum und wie sähe die aus?

Zu „(Won’t Somebody) Take Me Out Tonight“ von Molly Nilsson. die hätte sehr unterschiedliche Stärken, ich glaube die wäre mal rund und mal sehr kantig. Vermutlich würde sie sich mit der Tageszeit in der sie gesetzt wird verändern, ziemlich moody.

In welche Dimensionen könnte Schriftgestaltung expandieren? Wie könnte die Schriftgestaltung der Zukunft aussehen?

Ich habe gerade von Underware gelernt, dass es bald nur noch einen „Superfont“ geben wird, an dem man rumdrehen kann, und der dann jede beliebige Schrift sein kann. Vielleicht im Moment noch ein Schrift-philosophischer Ansatz, aber nicht undenkbar.

Wie würdest Du die Vernetzung unter Gestaltern aktuell beschreiben und wie könnte sie sich entwickeln bzw verbessern?

Es gibt vor allem viele kleine Unternetze, lokal begrenzt oder dann wieder weit international. Entweder kennt man sich noch aus dem Studium, oder lernt sich auf Kongressen oder bei Juryarbeit für Wettbewerbe kennen. In Deutschland zb. fehlt eigentlich ein guter Designerclub für alle Designdisziplinen, der Ausstellungen, Veranstaltungen, Kongresse macht, als Onlineplattform funktionieren kann usw. vielleicht ähnlich der amerikanischen AIGA.

arianespanier.com

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